Praxis

In ChatGPT gefunden werden: konkrete Schritte für lokale Unternehmen

Eine Anleitung für Betriebe am Niederrhein. Sie prüfen, was KI-Systeme heute über Sie sagen, und bereiten Ihre Inhalte vor.

7 Min. Lesezeit

Warum ein Handwerksbetrieb überhaupt in einer KI-Antwort vorkommen will

Stellen Sie sich einen Abend im Februar vor. In einem Haus zwischen Geldern und Straelen fällt die Heizung aus. Der Eigentümer schlägt kein Branchenbuch auf und tippt keine zwei Stichwörter bei Google ein. Stattdessen fragt er seinen KI-Assistenten in einem vollständigen Satz, wer in der Umgebung eine alte Gastherme austauschen kann und worauf er dabei achten muss. Zurück bekommt er einen formulierten Absatz mit ein paar Hinweisen, zwei oder drei genannten Betrieben und einer Handvoll Quellenverweise. Eine Liste mit zehn Treffern erscheint nicht.

Genau hier liegt der Unterschied zur klassischen Suche. Eine Trefferliste hat eine zweite und eine dritte Seite. Wer auf Platz elf steht, wird seltener geklickt, ist aber noch vorhanden. Eine KI-Antwort nennt eine kleine Auswahl und hört dann auf. Für den Fragenden existiert in diesem Moment nur, was in diesem Absatz steht. Das gilt genauso für die Kanzlei, die eine Betriebsübergabe begleitet. Und für die Steuerberatung mit Schwerpunkt Handwerk oder die Praxis, die neue Patienten aufnimmt.

Wie diese Systeme arbeiten, woher sie ihre Inhalte nehmen und warum sie manche Quellen bevorzugen, haben wir in einem eigenen Grundlagenartikel beschrieben. Dieser Text setzt das voraus und wird praktisch. Er zeigt, was Sie in den nächsten Wochen selbst abarbeiten können, ohne technisches Spezialwissen und ohne größeres Budget.

Eine Trefferliste hat eine zweite Seite, eine KI-Antwort nicht. Genannt oder nicht genannt entscheidet sich in einem einzigen Absatz.

Schritt eins: prüfen, was die Systeme heute über Sie sagen

Bevor Sie etwas ändern, brauchen Sie einen Ausgangspunkt. Nehmen Sie sich dafür eine halbe Stunde und ein leeres Dokument. Sie machen eine nüchterne Aufnahme dessen, was heute passiert, wenn jemand ein KI-System nach einem Anbieter wie Ihnen fragt.

Mehrere Systeme, mehrere Formulierungen

Fragen Sie neben ChatGPT mindestens ein weiteres System ab, etwa Perplexity, Microsoft Copilot oder die KI-Übersichten von Google. Stellen Sie fünf bis zehn Fragen. Ihren Firmennamen allein, dann Ihre Leistung mit Ortsangabe, die Frage nach einer Empfehlung, eine typische Kundenfrage aus dem Alltag und eine Frage, in der Ihr Name gar nicht vorkommt. Die letzte ist die wichtigste, denn so fragen Menschen, die Sie noch nicht kennen.

Ergebnisse mit Datum festhalten

Notieren Sie zu jeder Abfrage das Datum, das verwendete System, den genauen Wortlaut Ihrer Frage und die Antwort im Original, inklusive der genannten Quellen. Das klingt umständlich, ist aber notwendig. Dieselbe Frage kann am nächsten Tag eine andere Antwort ergeben. Ohne Dokumentation können Sie später nicht unterscheiden, ob sich etwas verändert hat oder ob Sie nur eine andere Formulierung erwischt haben.

Das Ergebnis richtig einordnen

Werten Sie einen einzelnen Treffer nicht als Erfolg und ein einzelnes Ausbleiben nicht als Versagen. Achten Sie auf die Muster. Prüfen Sie, ob Sie genannt werden, wenn Ihr Name in der Frage steht, und ob die Angaben über Sie stimmen. Halten Sie fest, wer stattdessen genannt wird und auf welche Quellen sich das System stützt. Daraus lesen Sie ab, welche Art von Inhalten gerade verwendet wird.

Zwischenfazit

Ohne diese Aufnahme fehlt Ihnen später der Maßstab für jede Veränderung.

Was ins Protokoll gehört

  • Datum und abgefragtes KI-System
  • Wortlaut der Frage, unverändert notiert
  • Antwort im Original samt genannter Quellen
  • Genannte Wettbewerber und deren Quellen

Die Basis in Ordnung bringen

Der zweite Schritt ist unspektakulär und wird deshalb oft übersprungen. Ihre Unternehmensangaben müssen überall identisch sein. Firmenname in exakt gleicher Schreibweise, Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten, Leistungsbeschreibung. Überall meint das Impressum und die Kontaktseite Ihrer Website, das Google-Unternehmensprofil, Branchenverzeichnisse, Kammer- und Innungseinträge, Ihre Facebook- oder LinkedIn-Seite. Widersprüche entstehen fast immer unbemerkt, etwa durch einen alten Eintrag mit der Nummer vom früheren Standort. Für ein System, das Angaben abgleicht, ist ein Widerspruch ein Grund zur Zurückhaltung.

Danach kommt die technische Seite. Prüfen Sie, ob Ihre Seiten zügig laden, auf dem Telefon bedienbar sind und über HTTPS laufen. Prüfen Sie außerdem, ob Ihre robots.txt versehentlich Bereiche blockiert, die eigentlich öffentlich sein sollen. Ob Sie die Crawler der KI-Anbieter zulassen, sollten Sie bewusst entscheiden, statt es der Voreinstellung Ihres Systems zu überlassen.

Der dritte Punkt ist der häufigste Stolperstein bei kleineren Betrieben. Inhalte liegen nur als Bild oder als PDF vor. Die Leistungsübersicht als Grafik, die Preisliste als Download zum Anklicken. Ein Mensch liest das ohne Weiteres. Ein automatischer Textabruf sieht dort im Zweifel nichts. Alles, was für Kunden wichtig ist, gehört als echter Text mit echten Überschriften auf eine eigene Seite. Das PDF können Sie zusätzlich anbieten.

Bremst den Abruf

  • Adresse und Rufnummer weichen je Eintrag ab
  • Leistungsübersicht liegt nur als Grafik vor
  • Preise ausschließlich im PDF zum Download
  • robots.txt sperrt öffentliche Bereiche

Erleichtert den Abruf

  • Firmenname überall in gleicher Schreibweise
  • Leistungen als echter Text mit Überschriften
  • Seiten laden zügig und laufen über HTTPS
  • Umgang mit KI-Crawlern bewusst entschieden

Inhalte so schreiben, dass sie zitierfähig sind

Jetzt geht es um die Texte selbst. Der Maßstab ist einfach. Lösen Sie einen einzelnen Absatz aus Ihrer Seite heraus. Ergibt er immer noch eine vollständige, richtige Aussage, ist er zitierfähig. Funktioniert er nur im Zusammenhang mit den drei Absätzen davor, ist er es nicht.

Der praktischste Hebel dafür sind Überschriften, die echte Fragen sind. „Was kostet der Austausch einer Gastherme?“ trägt weiter als „Unsere Leistungen im Überblick“. Oder „Wer haftet bei einem Mangel nach der Abnahme?“. Direkt darunter steht die Antwort in ein bis zwei Sätzen, bevor Sie ausholen. Diese Reihenfolge widerspricht dem, was viele im Deutschunterricht gelernt haben. Sie hilft dem eiligen Besucher und einem System, das nach einer klaren Aussage sucht.

Konkrete Angaben statt Werbetext

Formulierungen wie „führend in der Region“ oder „höchste Qualität“ sind nicht überprüfbar und tragen deshalb nichts bei. Überprüfbar sind Gründungsjahr und Mitarbeiterzahl. Ebenso, welche Zulassungen, Meisterbriefe oder Fachanwaltstitel vorliegen, welche Hersteller Sie verbauen, welche Rechtsgebiete Sie abdecken und ob Sie Notdienst anbieten. Diese Angaben will ein möglicher Kunde ohnehin wissen, bevor er anruft.

Orte und Zuständigkeiten ausschreiben

„In der Region“ ist keine Ortsangabe. Schreiben Sie aus, welche Orte Sie tatsächlich anfahren oder betreuen: Geldern, Issum, Kevelaer, Straelen, Kleve. Das Gleiche gilt für Zuständigkeiten. Wenn nur ein Kollege im Haus Baurecht macht, nennen Sie ihn mit Namen und Aufgabengebiet. Solche Angaben lassen sich eindeutig zuordnen und stützen zugleich Ihre Sichtbarkeit in der klassischen lokalen Suche.

Zwischenfazit

Zitierfähig ist ein Absatz erst dann, wenn er auch ohne die Seite darum herum eine richtige Aussage ergibt.

Was außerhalb Ihrer Website über Sie steht

Ihre eigene Website ist die eine Hälfte. Die andere sind Erwähnungen an Stellen, die Ihnen nicht gehören. Einträge bei Kammer, Innung oder Berufsverband, seriöse Branchenportale, ein Beitrag in der Lokalzeitung, die Partner- oder Referenzseite eines Lieferanten, ein Verzeichnis der Gemeinde, ein Vereinssponsoring mit Nennung. Diese Erwähnungen sind unabhängig von Ihnen entstanden. Im besten Fall bestätigen sie genau die Angaben, die auf Ihrer Website stehen.

Warum das für KI-Systeme zählt, ist eine Einschätzung und keine gesicherte Tatsache. Die Anbieter legen ihre Auswahlkriterien nicht offen. Plausibel ist es, weil dieselben Systeme Angaben aus mehreren Quellen abgleichen und die klassische Suche seit Jahren ähnlich funktioniert. Wir behandeln es als begründete Annahme ohne Erfolgsgarantie.

Kaufen Sie trotzdem keine Pakete mit hunderten Verzeichniseinträgen. Solche Massenlisten enthalten oft veraltete Angaben und erzeugen genau die Widersprüche, die Sie in Schritt zwei beseitigt haben. Fünf gepflegte, für Ihre Branche einschlägige Einträge sind mehr wert als fünfzig automatisch erzeugte.

Fünf gepflegte Einträge in einschlägigen Verzeichnissen wiegen schwerer als fünfzig automatisch erzeugte.

Dranbleiben und realistisch bleiben

Wiederholen Sie die Abfragen aus Schritt eins einmal im Quartal, mit denselben Fragen und in denselben Systemen. Legen Sie die Ergebnisse neben die alten. Mehr Aufwand ist für einen kleinen Betrieb selten nötig. Wer es enger begleiten möchte, kann daraus eine laufende GEO-Betreuung machen.

Zur Erwartungshaltung gehört Ehrlichkeit. Niemand kann Ihnen zusichern, dass Ihr Unternehmen in einer KI-Antwort erscheint, und niemand kann Ihnen ein Datum nennen. Die Anbieter entscheiden selbst, wann sie Inhalte neu erfassen und welche sie verwenden, und sie teilen es nicht mit. Beeinflussen können Sie Ihre Ausgangslage. Also eindeutige Angaben, erreichbare Seiten und klare Aussagen. Dieselbe Arbeit hilft Ihnen in der normalen Suche und bei jedem Menschen, der Ihre Seite liest.

Zwischenfazit

Steuern lässt sich die eigene Ausgangslage. Den Zeitpunkt einer Nennung steuert niemand.

Quartal

Rhythmus für die Wiederholung

Keine

Garantie auf eine Nennung

Doppelt

Wirkung in KI-Antwort und klassischer Suche

Checkliste zum Abarbeiten

  • Stellen Sie fünf bis zehn typische Kundenfragen in mindestens zwei KI-Systemen und speichern Sie Frage, Antwort, Quellen und Datum in einem Dokument.
  • Notieren Sie, welche Wettbewerber genannt werden und auf welche Quellen sich die Systeme dabei stützen.
  • Vergleichen Sie Firmenname, Adresse, Telefonnummer und Öffnungszeiten auf Website, Google-Unternehmensprofil, Kammer- und Verzeichniseinträgen und korrigieren Sie jede Abweichung.
  • Prüfen Sie, ob Ihre Website über HTTPS läuft, auf dem Telefon bedienbar ist und ob die robots.txt keine öffentlichen Bereiche sperrt.
  • Überführen Sie alle Inhalte, die bisher nur als Bild oder PDF vorliegen, zusätzlich in echten Text mit Überschriften.
  • Ersetzen Sie auf jeder Leistungsseite mindestens eine Werbe-Überschrift durch eine echte Kundenfrage und beantworten Sie diese in den ersten zwei Sätzen darunter.
  • Ergänzen Sie Gründungsjahr, Mitarbeiterzahl, Qualifikationen, Marken oder Fachgebiete und Notdienst.
  • Schreiben Sie die Orte aus, die Sie tatsächlich betreuen, und nennen Sie Ansprechpartner mit Namen und Zuständigkeit.
  • Pflegen Sie fünf branchenrelevante externe Einträge auf den aktuellen Stand und löschen oder korrigieren Sie veraltete Altbestände.
  • Tragen Sie sich einen Quartalstermin ein, um dieselben Abfragen zu wiederholen und mit der ersten Aufnahme zu vergleichen.

Fazit

In eine KI-Antwort kommt man über Ordnung. Abkürzungen gibt es keine. Wer weiß, was heute über ihn gesagt wird, seine Angaben überall gleich hält, technisch erreichbar ist und klare, überprüfbare Aussagen statt Werbetexte veröffentlicht, hat das getan, was in seiner Hand liegt. Eine Garantie folgt daraus nicht. Der Aufwand lohnt sich trotzdem, weil dieselben Schritte auf die klassische Suche einzahlen und jeder Besucher davon ebenso profitiert wie eine Maschine.

Das Wichtigste in Kürze

  • KI-Antworten nennen wenige Anbieter; wer dort fehlt, existiert für den Fragenden nicht.
  • Erst dokumentieren, was Systeme heute sagen, dann Angaben, Technik und Texte ordnen.
  • Überprüfbare Angaben und ausgeschriebene Orte wirken stärker als jede Werbeformulierung.
  • Eine Nennung ist nicht garantiert; dieselbe Arbeit zahlt auf die klassische Suche ein.

Unsicher, wo Sie stehen?

Wir fragen die gängigen KI-Systeme mit den Fragen Ihrer Kunden ab und zeigen Ihnen im Erstgespräch, was dort heute über Sie gesagt wird.